Untaugliche Lebensversicherungs-Idee PDF  | Drucken |
Laut "Handelszeitung" lanciert die Zurich-Versicherung einen Versuchsballon und erwägt, bei Personen mit hohem BMI höhere Prämien zu erheben. Die SAPS erachtet dies als untauglichen Ansatz, mit dem Solidaritätsprinzip zu brechen und die Adipösen zu diskriminieren.

 

"Der BMI würde als ein Faktor in die Prämienberechnung eingebaut", wird Zurich Life Switzerland-CEO Ivo Furrer zitiert. Das sei beschlossene Sache, offen sei nur noch die Umsetzung. Damit folge man einer bereits bekannten Praxis aus USA und England. Was ist davon zu halten?

 

Grundsätzlich gibt es Differenzierungen nach Gewicht schon seit langer Zeit. So wurden und werden z.B. bei erhöhtem Körpergewicht "Vorbehalte" formuliert für den Fall, dass der Versicherte an den Folgen seines Übergewichts versterben würde. - Der BMI taugt jedoch als Mess-Einheit für eine solche Praxis schlecht. Er unterscheidet nicht zwischen Fett und Muskelmasse, ein sehr muskulöser Body-Builder kann einen hohen BMI haben, ohne gesundheitliches Risiko; zudem ist bekannt, dass "leicht übergewichtige" Menschen, die sich körperlich fit halten, wesentlich gesünder sind als "Normalgewichtige", die sich nicht bewegen und rauchen und trinken oder Drogen konsumieren...

 

In der Schweiz sind gegen 40% der Bevölkerung übergewichtig, wobei man davon ausgehen muss, dass diese (vor fünf Jahren erfasste) Zahl die Situation beschönigt, denn die Werte wurden nicht verlässlich "gemessen", sondern lediglich durch telefonische Befragung erhoben; es ist also mit Sicherheit anzunehmen, dass der effektive Anteil der Übergewichtigen und Adipösen an der Bevölkerung deutlich höher ist. Dies kann dazu führen, dass in der Schweiz schon in wenigen Jahren die Übergewichtigen in der Mehrheit sind (wie man es aus USA kennt); ob Versicherer dann den "Leichtgewichten" einen Prämien-Nachlass gewähren wollen, ist eine andere Frage.

 

Zudem stellt sich die Frage der Kontrolle bzw. Überprüfung der Angaben der Versicherten: seitens der Zurich Life Switzerland wird geltend gemacht, der neue Tarif-Vorschlag solle die Adipösen zur Gewichtsreduktion motivieren. Wenn dies funktionieren soll, dann muss eine positive Veränderung auch erfasst und gegenüber der Versicherung geltend gemacht werden können, damit die Prämie wieder gesenkt wird... wer aber kontrolliert dann, ob es dabei bleibt und ob der JoJo-Effekt gebannt ist? Bei einer "Rückfallquote" von 85 Prozent ist dies ein zum Scheitern verurteiltes Unterfangen.

 

Der Versicherer täte besser daran, ehrlich zuzugeben, dass es ihm lediglich um die Abzocke bei einer ohnehin schon diskriminierten Bevölkerungsgruppe geht. (vgn.)

20.2.08

 

 

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